Dienstag, 14. April 2015

Wilhelmsburger Insellauf

 >>> einfach GEILOMAT <<<

Sonntag, 12.04.2015 war es wieder soweit, der Wilhelmsburger Insellauf stand an und sollte als letzter LongJog vor meinem große Ziel dienen. 
Am Sonntagmorgen schon wusste ich das es einer dieser perfekten Lauftage wird: Bestes Runningwetter, blauer Himmel, ziemlich kalte Morgenfrische (aber es wird einem ja warm beim laufen). Ich frühstückte, entschied mich für kurze Laufkleidung, tapte meine Zehen - die nach wie vor blasenanfällig sind-  und schnürte das andere Paar Mizunos die ich auf diesem LongJog testen 'muss', um meine Schuhauswahl für den Marathon 2 Wochen später treffen zu können.  

Als ich gegen 09:10h in der Dratelnstraße ankam wehte dort wieder die mir vom letzten Jahr vertraute "steife" Brise.
Kurz vor dem Start beobachtete ich einige Läufer die sich Laufkleidungtechnisch wieder umentschieden, weil es ihnen offensichtlich zu frisch war. Raus aus der kurzen Klamotte, rein in die lange. "Uuuuupsss.." dachte ich mir "Du aber nicht", bist schliesslich 'ne Hamburger Deern, die haut doch so ein "lautes Lüftchen" nicht um". Ich hielt mich wacker mit Hopserläufchen und dynamischen Dehnübungen 'irgendwie" kurz vorm Schüttelfrost Status so gut es ging warm. 

Und dann traf mich kurz vor dem Start der charmante Laufjunkie Andreas, den ich zufällig über seinen Blog kennenlernte (ich mag seinen Schreibstil). Wir plauderten ein wenig, bevor wir uns - ganz neu für mich - als Schlusslichter in die Startaufstellung einreihten. Ich; mit dem heutigen Mantra: Ich darf keine Wettkampfpace laufen sondern einfach diese schöne Gegend und den organisierten HM für meinen letzten Longjog nutzen. Außerdem ist es schön mit Gleichgesinnten Sonntags (s)eine Runde zu drehen, von den einsamen langen Läufen hatte ich irgendwie genugAndreas Mantra lautete heil im Ziel anzukommen (jedenfalls gab ich es ihm still und leise mit auf dem Weg) denn er stand neben mir mit einer angeblich abklingenden Bronchitis. Ich fragte ihn, im Stil einer typischen besorgten "Mami die ich ja nu auch mal bin, nur halt nicht seine" - mit imaginärem erhobenen Zeigefinger-  ob das sein Ernst sei sich so einem Halbmarathon zu stellen und seine Gesundheit extrem zu gefährden (bitte, meine lieben LeserInnen, macht es ihm NICHT nach, es ist lebensgefährlich und unverantwortlich, aber der junge Mann - und Familienvater! - wollte es partout 'besser' wissen. Also neeeeee, wirklich...naja genug geschimpft. Er weiß es ja inzwischen auch.

09:29h, was für eine Frage vom "Einheizer" ob wir "REIF FÜR DIE INSEL" sind?! Na und Wie! Lass jucken (wie mein Panikpräsident zu sagen pflegt)! 
Ich war bereit, und wie immer gut drauf. Kein Wunder bei der Verbindung zum Wettergott. Dies ist die Generalprobe, yaeh. Geilomatiges Gefühl.
Dann der Startschuss und ich lief mit Andreas und den anderen 536 Mitläufern an. Ist auch mal eine neue Erfahrung das Feld von hinten aufzurollen.
Wenigstens hatte "Bronchi-" Andi eine warme Jacke an.
Ich freute mich auf die neuen Bilder bei meinen Trainingslauf, vor allem auf die schönen Frühlingsimpressionen die sich auf der Strecke bieten. Ich hatte den Lauf aus 2014 in guter Erinnerung, lief ich doch beim 34. Insellauf meinen 2014er Halbmarathonrekord.

Da Andreas schneller laufen wollte als ich musste ich ihn ziehen lassen und tauchte alsbald in meine geliebte Running-Welt ein. Wilhelmsburg, hatte ich als vergleichbaren Problemstadtteil zu Berlin-Neukölln in Erinnerung und immer gemieden, hat mich schon letztes Jahr überrascht. 
Es ist ruhig und beschaulich an diesem Sonntagmorgen auch wenn der erste km vorbei an Plattensilos und "verschmutzen" Bahn-Milieu vorbeigeht. Nachdem wir dann über die Dove Elbe liefen, bot sich mir so diese typische Vorstadt "Kleingarten" Idylle in der man gut einen Werbespot für "...später möchte ich auch mal Spießer werden..." Bausparer drehen könnte. 

 
Ich nehme Kurs auf den Elbdeich und dann: Oooo haua haaaa jetzt spätestens ist sie allgegenwärtig, die "steife hanseatische Brise" die mir ordentlich was entgegen pustet. Von hinten wäre ja auch zu schön. Egal in welche Richtung du läufst, der Wind kommt immer von vorn und ich glaube das der zu diesem Insellauf dazugehört. Aber egal, es ist zu schön hier. Und so merkte ich gar nicht, wie schnell die erste Stunde vorbei ging und ich die ersten 10k gedankenversunken zurücklegte. Die kleine überschaubare Läuferschar war sehr weit auseinander gezogen, so dass sich leider niemand als Windschatten anbot. Ich kämpfte gegen den Wind und genoss trotzdem jede Sekunde. Es war dieses pfeifen und surren des Windes, die Weite, das Grün der Felder, die Deiche und die Menschenruhe die mich zentrierte und in den Runnershigh brachten. 
Ich war ganz bei mir selbst und genoss mein Training. Nun kam der südlichste Punkt, und die Hälfte war fast geschafft (vom HM; nicht von meinem Training). Inzwischen sammelte ich auch so einige Läufer ein und lief ein wenig schneller als ich durfte, also ssssssst, Bremse ziehen, durchatmen, laaaaaangsam laufen. 

Eine einsam auf weiter Flur auszumachende Zuschauerin rüttelte mich aus meiner Gedankenwelt. Die Frau ist ja der Knaller, dachte ich.
Sie stand da ganz allein am Deich mit ihrer Rassel und rief jedem (!) Läufer etwas anspornendes motivierendes zu. 
Wirklich total erfrischend. und wie lange sie da wohl im Wind und der frischen Brise ausharrte, TOLL! Ich rief ihr meine Dankesworte zu.

Während ich so vor mich hin lief und über die Schuhauswahl nachdachte - sie laufen sich sehr fluffig diese tollen Mizuno Wave Aero 16 - kam eine Getränkestützpunkt und ich übte das trinken im slow Jog Modus (für den Marathon habe ich mir vorgenommen beim trinken nicht mehr weiter zu laufen, sondern kurz anzuhalten,  weil ich mich oft verschlucke oder zu hastig trinke das es mir nicht bekommt).

Etwas windstiller war es beim Fuffzehnerpoint und ich beschloss die Jungs da vorn einzusammeln. Ich brauchte etwas Abwechslung. 


 

















Nach und nach sammelte ich einen Kerl nach dem anderen ein, hahaha. Tut mir leid Jungs, bin ich zu schnell oder. was ist mit euch? 
Irgendwann, ich weiß nicht genau welcher km, liefen plötzlich 1/4 Marathon Walker vor mir und ich hatte das Gefühl, dass es nun heimwärts Richtung Erdinger Alkoholfreies ging.
Es wurde enger und ich ärgerte mich ganz kurz über drei Nordic Walker, auch zur Veranstaltung gehörend aber später startend, welche auf dem Gehweg nebeneinander liefen und deswegen andere Halbmarathonies wie auch mich im Tempo ausbremsten. 
Ausnahmsweise war es mir aber eigentlich auch wurscht, so dass ich beschloss einfach nichts zu sagen.
Eine Rechtskurve und nun tat sich die Wilhelmsburger Mühle auf. „Johanna“, im Galerieholländerbaustil, liegt weit sichtbar erhöht auf einem Deich oberhalb eines verzweigten Systems aus Gräben und Teichen, die zur Wilhelmsburger Dove-Elbe gehören. Ein schöner Anblick alter Wilhelmsburger Geschichte (mehrfach zerstört und einst in sehr ländlicher, dörflicher Umgebung im 16. Jahrhundert erbaut) und für mich ein Grund mein iPhone aus der Hosentasche zu nesteln.
Dieses Foto kostet mich eine Extraausgabe an TEURO's - ich Dussel - denn zu allem Übel habe ich genau nach diesem Windmühlenshot mein geliebtes Ei auf dem harten Asphalt gecrasht. 


Noch "wütend" auf mich wegen dieser unnötigen Aktion und den abzusehenden Folgen (ein paar Schuhe weniger - wenn das nicht frustrierend ist), lief ich vor mich hin und hatte plötzlich nicht mehr so viel Fun. Selber schuld, Birki, dachte ich und riss mich zusammen. 









Plötzlich leuchtete es weiter vorn orange und ich erblickte erfreut Andreas (noch am Leben), der allerdings - nachdem ich auf seiner Augenhöhe war ziemlich (sorry Andi!) mies aussah. Oh jeeee, und ja,  er sah es inzwischen ein, DAS war keine gute Idee von ihm den Halben in diesem "Zustand" zu laufen. Er tat mir echt leid und ich nahm ihn mit auf die letzten 2 (?) Kilometer bis zum Ziel-Erdinger auf das wir uns beide freuten.
Er hat dieses schöne Bild von mir gemacht 

(ich strahle immer so beim Laufen und wenn ich solche Bilder von mir sehe wird mir bewusst welch Glück ich habe gesund zu sen und laufen zu können).

Wir plauderten und liefen zusammen weiter doch schon bald musste ich Andreas zurücklassen, er schnaufte fast wie die preußische Tenderlokomotive die auf der Finishermedaillie abgebildet war. Man, man, man, wirklich unvernünftig von ihm so zu laufen...ich versprach ihm ein isotonisches Zielbier und appellierte an seine Vernunft (was eh' zu spät war).
Ich lief die letzten paar hundert Meter beschwingt und dachte mir "Hej, gleich die Hälfte von dem Ding in 14 Tagen und immer noch voll gut drauf." Bähm, das macht wirklich fröhlich und lässt den Ärger übers kaputte iPhone verfliegen. es ist ja eh wie es ist, nee?
  
Wirklich "kurios und zugleich besonders wertvoll und schön" war mein Zieleinlauf: Ich bog um die Ecke und vor mir, neben mir, NIEMAND. Ich habe noch niemals nie ein leeres Finishertor auf mich warten gesehen und hatte also durch diesen Trainingslauf die vollste Aufmerksamkeit des noch am Rande stehenden verbliebenen Restpublikums. Okay, war auch mal nett, und so lief ich fett grinsend (mir das Finish in zwei Wochen vorstellend) den Fotografen hinter der Finishline entgegen. Ganz gemütlich, Zeit spielte keine Rolle. Yaeh. Cooles Ding, ein ganzes FinisherTor only for me. Und ein schönes Foto (wenn auch teuer)
Jetzt erstmal ein iostonisches Getränk und dann wollte ich weiter ziehen, Herbys Plan wollte es so. Dann sah ich auch zum Glück Andreas, und war sehr froh ihm das versprochene Weizen zu reichen und mit ihm anzustoßen - auf unsere Ziel in 14 Tagen - w e n n  er sich bis dahin richtig auskuriert hat - 

bevor ich dann, leider nur das halbe Weizen austrinkend - weitergezogen bin auf meine Restrunde. Die war nicht mehr so amüsant wie der FunRun, denn die Pause hat mich irgendwie aus meinem Trott gerissen. Dennoch habe ich wenigstens bis zum knacken der Dreiziger Marke durchgehalten. Unterwegs rief mir ein älterer Insulaner verwundert zu ob ich mich verlaufen hätte, meine Zwillingsschwester wäre schon lange vor mir hier vorbei. Wie niedlich, aber gleichzeitig mein Zeichen jetzt nach Hause zu fahren und ausgiebig zu brunchen. Ich hatte es mir verdient.

Noch ein Selfie mit dem  kaputten iPhone 

und
Ab sofort befinde ich mich in der Tapertime, ein schönes Gefühl, wie man sieht.


Alles in allem hatte ich eine wirklich tolle Marathontrainingszeit und dieser Insellauf heute hat für einen schönen Abschluss der (leidigen) LongJogs gesorgt. 

Dafür danke ich der BMS Laufgesellschaft und dem gesamten Orgateam . 
 Es war nahezu perfekt.



Kommentare:

  1. Hört sich echt gut an, bis auf das kaputte iPhone. Aber hey, eines mehr verkauft, so steigen die Aktien und ich freue mich :D
    Aber mehr freue ich mich, wie du dann auf denn HH Marathon!

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    1. Ej, Markus, vergiss die AKtien, Frau legt lieber in Schuhe und Taschen an, was jetzt njct möglixh ist durch meinen Fauxpas. das kommt einer riesengroßen Katastrophe gleich.
      Noch 11 Tage...

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  2. Also wenn der HM nur halbwegs so geilo war wie dein Bericht heute, dann ist der wirklich geilomat!!! Toll geschrieben, echt. Hab das erste mal heute laut lachen dürfen :o) Das junge Einzelschicksal am Deich mit der Rassel, sensationell. Und Bronchi (über diese Wortschöpfung lach ich immer noch), ähm also Andreas, bin froh das heil durchgekommen ist. Diese Erfahrung durfte ich ja gleich in meinem ersten HM machen. Einmal und nie wieder, ganz sicher! Also dann, danke für die schönen Zeilen am Abend, besser als jedes Buch!!!! Und jetzt erhol dich und genieß die Tapertime.

    Dein
    Runningbuddy Cathi

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    1. Er war nicht nur halbwegs so geilo wie mein Berichr Süße, sondern GENAU SOOOOO.
      Wenn ich diesen Run mit dem überteuerten ubd viel zu vollen HM in Berlin vor 2 Wochen vergleiche dann kommt Berlin noch mieser weg als in meinem Blogbeitrag beschrieben.
      Du hast hier gefehlt und ich bin sicher du hättest diesen 'ImmergegndenWind" Halbmarathon gehasst. Im positiven Sinne, so wie ich die Anstiege in unseren Weinberg, in Deinem Revier.
      Vielleicht willst du den Kampf (d)einer Hamburger Deern mit ihrem vertrauten Wind ja 2016 beiwohnen? Aber nur gesund, nicht als Bronchie- oder Achilles Cathi ;-) ???

      Gute Besserung weiterhin und danke für deine Zeilen

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  3. Es ist echt schön, hier immer mit Dir zu laufen und Deine Bilder zu sehen. Die strahlenden und bunten von Dir und die von der schönen Landschaft rundherum.
    Zu Deinem iPhone: ich werfe meins ja 2 x die Woche runter (es rutscht aus der hinteren Hosentasche - im Bad, beim Aussteigen im Auto in der Tiefgarage und einfach so auf der Straße) und gegen Brüche habe ich eine Hülle. Nicht ganz leicht, kein "Mädchenchic", aber sehr tauglich. Maximal geht die Hülle kaputt, nicht das Telefon. Guck mal nach ROKFORM (auch bei YT). Kann ich seit Jahren empfehlen.
    Liebe Grüße aus Berlin (voll und schlecht organisiert aber ICH LIEBE ES)
    Bärbel ☼

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    1. Huhu Bärbelchen,
      Diese ROKFORM Dinger sind aber extrem hässlich. Und musst Du das Ei nicht trotzdem rausnesteln wenn Du knipsen willst?
      Es ist ja beim knipsen praktisch aus der hand geflutscht.
      Sonst hab ich es ja auch und er schönen Luise Hülle,
      aber beim Laufen natürlich nicht da es gerade so in die mitzuführende Spybelttasche passt. Deswegen habe ich auf dem Bild was Bronchie And gemacht hat auch so 'ne Beule hinten seitlich, das ist die Runnerbauchtasche *grins*


      PS Wieso biste denn schlecht organisiert heute?
      VG nach BERLIN ich vermisse Euch

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  4. Hej Laufbuddine (nun auch an dieser Stelle),
    auch mir war es (den Umständen entsprechend) ein großes Vergnügen! Ich hoffe du genießt dein wohlverdientes Tapering und ich tue derweil Alles, für unser gemeinsames Zielbier am 26.

    Bezüglich der Fotos musste ich auch sehr schmunzeln, als ich deinen Blogbeitrag gelesen habe. Als hätten wir exakt an den selben Orten die selben Motive geknipst. Zwei Verrückte, ein Gedanke. ;-)

    Der "Gegen den Wind" Halbmarathon lässt sich übrigens noch steigern, nämlich beim gleichnamigen Lauf in St.Peter-Ording. Ich war im letzten Jahr dort und hab diesmal einen Startplatz gewonnen. Kann ich sehr empfehlen!

    Bis in 11 Tagen (HOFFENTLICH!!!)

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    1. Wenn Du schön brav bist und auskurierst dann wird das was in 10 (!!!) Tagen.
      St. Peter Ording kling aber auch gut, da müsste ich eigentlich als Dein (neuer) Runningbuddy mitkommen.
      Aufpassen das Du Dich nicht erkältest und so *kicher*...

      Ja, das mit den gleichen Motiven ist wirklich witzig.
      Haben halt Sinn für's Schöne.
      Aber das Du auch die einsame Zuschauerin geknipst hast, das hat mich echt verdutzt.

      Gute Genesung Bronchie Andi

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  5. Da spritzt ja der Laufspass aus allen Zeilen ;)
    Ums Ei tut's mir sehr, immer ärgerlich sowas....aber wie ich sehe haste dir ja dein Lachen nicht verderben lassen ;)

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  6. Hallo Birki,
    prima gemacht, nicht anstacheln lassen von einem HM-Feld, locker durchgezogen, noch was drangehangen und den Laufkumpel noch mit aufgebaut und unterstützt... Beim Lesen dachte ich schon, dass das Zielbierchen aber ein wenig kontraproduktiv sein könnten (wegen der Laufunterbrechung), aber naja, hatte auch seine Berechtigung. Ja, dann sind es nun nicht mehr viele Tage... Genießen wir die Vorfreude - und das Kribbeln ;-)
    Liebe Grüße
    Elke

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