Samstag, 30. Mai 2015

Immer nur Wasser ... 30. HAMBURGMARATHON

oder 
Mein zweiter Marathon 
(komplett anders als der Erste)
aber 
mit der Gewissheit im Kopf, wenn meine Vorbilder/Idole mit mir sind, 
kann ich alles erreichen, was ich mir vorstellen kann.

Es ist der letzte Sonntag im April 2015, ja, ich stelle mich trotz aller Widrigkeiten meiner letzten 6 Wochen dem 2. Marathon meines Lebens - 177 Tage nach meinem fantastischen New York Marathon Debüt nun in meiner Heimatstadt - der Stadt am Wasser. 
DAS habe ich erst am Samstag - beim Rainy Sauerstoffläufchen - für mich so entschieden.
Es ist ein Jubiläumsmarathon, der 30. 
damals, als läufer hier zum 1. aufbrachen, war ich schwanger und wäre im traum nicht auf die idee gekommen 30 jahre später - bzw. überhaupt mal - zu einem solchen lauf anzutreten.
So ging ich dann am Vorabend auch erstmalig zum Twitterlauftreff, wo sich ca. 25 Laufverrückte trafen. Für mich war es toll, die Zwitscherer persönlich kennenzulernen. 
Beim gemeinsamen italienisch Carboloading konnte ich wieder mal life erleben, wie "Männer" sich wie kleine Jungs über ein paar Waffeln freuen können besonders der Sascha. Nach knapp 2h stahl ich mich davon. 
Preparing war angesagt, was auch das tapen meiner Blasen'anfälligen' Zehen einschloss. Dabei checkte ich permanent die Wettervorhersage, draußen schüttete es aus allen Kübeln. 
heute werden hamburger klischees bedient ,wird das morgen auch so sein?
Die Running-Stylefrage war hierdurch auch schwierig. Ich liess es offen. Dann folgte eine fast schlaflose, sehr unruhige Nacht und ich war froh um 06.00h aufstehen zu können. Mein erster Blick ging zum Fenster:
heute morgen hat es zum glück aufgehört zu regnen, doch 'meine perle' zeigt sich im "londoner" nebel. meine stimmung hebt das nicht gerade und so fällt es mir 'n bisschen schwer, zu den ganz kurzen laufsachen zu greifen. ich tue es aber; der grund liegt nah und hat mit den erneut für heute angekündigten regenfällen zu tun. 
Während ich noch schön warm eingemummelt in die City fahre kreisen meine Gedanken um den Marathon. Da ich mir meine Wunschzielzeit 'abschminken' musste (sh. meine Historie hier im blog) rief ich mir noch einmal mein Ziel - diesen marathon als Genusslauf zu absolvieren - ins Bewusstsein und hinterlegte Erinnerungsbilder aus New York. Meine Beste wird mich heute begleiten und darüber bin ich sehr glücklich und froh. 
Auf dem Messegelände angekommen war ich erstaunt über die dort gähnende Leere und marschierte nach einem "Aufregungsboxenstop" zum Start A2 bei den Kirchhöfen. 
na wenigstens hätten sie ja den roten teppich auch für uns "slowmodus jogger runner" auslegen können... auch hing da am start nur diese papp-startuhr-atrappe - das fühlte sich für mich hamburgerin an als seien hier die marathonis in spe 2. klasse am start und ich frag(t) mich: muss das sein, Herr Thaleiser?
Da stand ich nun, am unspektakulären Block K (es war total ruhig) mit meinem Willen laufen zu WOLLEN und höre meine Beste sagen 
"Du musst uns diese (Jubiläums-) Medaille holen!" 
Bääääääm. Autsch! Was für eine Ansage! Und bevor ich dazu noch hätte etwas anmerken können, ging's auf die 42,195k "Reise" 
heute: also zur reise zu mir selbst - das wird mir nach den ersten minuten klar. ...ich laufe mit dieser ansage im kopf ...mit diesem unsichtbaren rucksack...hmmm ...last oder lust?
Ohne Ballons, ohne Krawumm, eigentlich sehr unaufgeregt. Ganz anders als beim Start A1.
Pünktlich mit dem Start setzte der Regen ein - Wasser Marsch von oben -  leichter Nieselregen, für mich das perfekte Laufwetter. Kein Grund zum aufregen. Also los.
Ich groovte mich dann ein, auf Hamburgs Reeperbahn, während C.'s Satz in mir nachhallte. Es war so schön das Drumherum aufzusaugen, DAFÜR habe ich trainiert, DAS wollte ich erleben. Ich liebe es!
So langsam, jetzt in Othmarschen, geht mir das ❤️ auf und freue mich bald in meine Lieblingsecke, über die Elbchausee zum Hamburger Hafen zu kommen - heute endlich mal laufend. Hier - wie immer - kaum Zuschauer 
(jaaaa jaaaa der feinen gesellschaft dort ist das rambazamba um den marathon vermutlich zu schnöde,aber pffffhhhh, wer braucht die schon wenn 'er' diese aussicht haben kann....?)
Ich laufe - gedankenversunken - und erfreue mich am Marathonfeeling. Es ist mir wirklich ein Genuss auf Straßen zu laufen wo ich sonst nur fahren darf. Und es stört mich auch gar nicht, das ich oft überholt werde. Wie mich selbst zur Räson rufend sage ich mir immer 
nicht irgendeine Zeit ist heute mein Ziel - sondern das Ziel ist, die Zeit entscheiden zu lassen. 
da schau an: Die ersten runner können sich nicht benehmen und fallen als büsche- bzw. einfach am strassenrand pin*ler auf. hmmmm, wie mich dieser anblick jedes mal ....bäääh, nicht weiter denken!  die krönung schiesst tatsächlich eine "frau" (?) ab, die tatsächlich ihren blanken vollmond dem läuferfeld entgegen hält. 
Unterwegs wurde ich von Instas wie Lena (Dänemark) und Johanna (D) begrüßt.
Schwups, sind sie auch schon vorbei. Ich laufe vorsichtig und möchte solange wie möglich, laufend genießend mein Hamburch erkunden. So bin ich glücklich mit mir selbst.

tja, nun habe ich herbys zeit-prognose also ad acta legen müssen - irgendwie tut's mir doch mal kurz leid. aber hej, ich hab zwei gesunde beine und ein läuferherz, ich darf laufen. wie viele können das nicht weil sie behindert sind oder verunfallt oder oder oder...also freue dich und genieße, denke ich, während ich gleichzeitig bei km 8 darüber sinniere, warum ich heut' einfach nicht meinen (wohligen) laufrhythmus finde. ...sollte ich tatsächlich mal einen dieser Tage erwischt haben, wo es einfach nicht richtig laufen will. (davor hatte ich immer angst).
Mein Herz blubberte fast über als ich unseren Altonaer Balkon passierte, etwas trinke und 
dann den Fischmarkt passiere (auf dem Gehweg neben mir gehen und gucken Touristen die sich riesengroße holländischen Blumen und Pötte haben anschschnacken lassen gegönnt haben). Mein Herz stolpert vor Freude dieses Streckenabschnitts und ich laufe beschwingt weiter auf dem mir vom HELLA Halbmarathon bekannten 'Anstieg' Richtung Landungsbrücken, wo ich das erste so richtig richtig tosende Zuschauer-Mega-Spektakel erwartete. Hatte ich schon erwähnt das neben dem Wasser rechts noch immer Wasser von oben kam? Inzwischen war es schon mehr als nur "kleines Hamburger Gepiesel". 
Da ich genusslaufend unterwegs bin nehme ich mir die Zeit für ein paar Fotoimpressionen:

Wie erhofft geht am Heimathafen "ordentlich die Post ab" (trotz Regen dichte Zuschauerspaliere). Zum ersten Mal gelingt es mir den Kopf auszuschalten und das Herz regieren zu lassen. Freude. Große Freude. Ich liebe das Panorama, die Schiffe und merke kaum, dass ich bereits an der Speicherstadt vorbeilaufe, Und: es von oben läuft. Dankbar lächel ich den Zuschauern zu und glaube fast die bessere Option erwischt zu haben. Diese lassen sich aber zum Glück von dem Regen nicht die Stimmung (für uns) verderben.
Es läuft. Endlich. Das Hamburg-Herz pochert heftig, ich genieße das Umfeld und freue mich auf den ersten Treffpunkt mit meiner Besten. Beim Piep auf der Zehnermatte denke ich kurz was wäre wenn.... tja... heute bin ich einfach nur froh überhaupt laufen zu können. 
aaaah, da kommt der wallringtunnel. ich denke an die sambaband, die immer vor dem hella hm am eingang einpeitscht und bin ein bisschen irritiert das hier nix los und es unten so ruhig ist. Schade. aber okay, gleich sehe ich meine beste *freu freu* und dann biege ich auch schon endlich in den ballindamm und 
... entdecke sie schneller als sie mich und hole mir einen ordentlichen Motivationsschub ab.
Und siehe da, jetzt läufts ein bisschen runder, um die Binnenalster herum gehts auf die Lombardsbrücke wo der freundliche Moderator meinen Namen ruft und in mir eine kleine Rakete zündet. Kurz, bis ich mich besinne. Jetzt läuft und mein Kopf ist ganz bei meiner Stadt die ich liebe. Ich laufe auf einem wunderschönen Streckenabschnitt, hier hüpfen viele Erinnerungen durch meinen Kopf 
winke winke in die präsidentensuite, wo's nicht reinrejnet, und nich zieht... 
Langsam meldet sich meine Blase (ich trinke seit Start an jeder Station ein-zwei Schluck aus den Wasserbechern). Jedes DIXI, an dem jetzt vorbeikomme ist gut "frequentiert" mit Warteschlange. Ich beschließe das Nächste zu nehmen weil mir klar wird, dass es mit jedem weiteren blauen Häuschen nur länger dauern würde. Und so komme ich am km Point 22 zu einer Minutenpace von 12:28. Weiter laufe ich und lasse mich treiben. Über die Langenzugbrücke (Erinnerungen vom Hella Halbmarathon abrufend) weiter auf der Sierichstraße. Ach ja, falls der Leser es vergessen hat: Es regnet und ich bin sehr dankbar kurze Sachen anzuhaben was den Vorteil hat das das Wasser nicht so extrem auf der Haut kleben bleibt.

Irgendwo im Stadtpark höre ich meinen Namen rufen und freue mich das C. vom gestrigen Twitterlauftreff ein Stück mit mir läuft und wir kurz über diet und datt plaudern. Ich erzähle ihr das es nicht rund läuft und ich hin und wieder Schmerzen in der rechten Pobacke habe, aber ... sie motiviert mich. 
yes, sage ich mir weiterlaufend, ich bin ein 261 girl! zum ersten mal denke ich an Kathrine Switzer und ihre schwierig- und widrigkeiten bei ihrem ersten Bostonmarathon sie ist für mich inspiration, ein vorbild, ein idol und symbol für stärke von frauen und des eisernen willens. und so laufe ich nun gemeinsam mit ihr weiter. ich rufe mir die erinnerungen an Mallorca zum ablenken ins gedächtnis. ach jaa, auch das wetter dort war wesentlich besser.
Ich lechze dem nächsten Treff mit meiner Besten. oben beim 31iger, in Ohlsdorf, entgegen. Beim km 26 denke ich an den 2012er Hamburg Marathon zurück. 
damals lief ich das erste mal diese strecke, im krombacher/hamburg1 staffelteam. da  flog ich bei dem song "an tagen wie diesen" die fuhlsbüttler strasse nur so lang. heute, sehne ich mich danach und muss mit dem hier vorlieb nehmen. 
video
na wenigstens bin ich SPITZENKLASSE, denke ich und laufe mich von dem schreck erholend weiter.
Und der Schmerz in meinem Hinterteil mit mir. Zum ersten Mal verspüre ich keine Lauflust mehr. Is doch echt für'n Ar**h, aber ich will nicht aufgeben - bisher ging es ja auch. Kathrine ist präsent: Ich bin eine 261 Woman also weiter und mantra vor mich herbetend:
Du  bist  ein  2 6 1   G i r l   - s e i   s t a rk ! Schmerz vergeht, Stolz bleibt für immer.

Beim km 27 - noch in der City Nord, ahne ich, zum Himmel schauend, das das was bisher von oben kam vermutlich nur die "Spitze des Eisbergs - oder Tülle der Gießkanne - war. Pechschwarzer Himmel und düstere Wolken die für mein Gemüt nicht gerade förderlich sind. Zum ersten Mal friert mir, der Wind hat ordentlich Fahrt aufgenommen. Je weiter ich in den Norden laufe umso klarer wird mir das ich mich gleich auf etwas gefasst machen kann. Ich bin Hamburgerin und kenne unsere Himmel. Meine Beine werden schneller bis ich sie wieder zur Räson bringe, wohl wissend das ich dem Regen hier oben eh' nicht davon laufen kann. 
Und dann kommt er, etwa bei km 28. Ich wundere mich nicht über die abwandernden Zuschauer. Ab km 29 in der Rathenaustrasse - am Alsterlauf entlang - schlägt das Regenmonster vollends zu, alle erdenklichen Hähne und Schleusen sind aufgedreht und  es schüttet. Sintflutartige Regenfälle. Lange nicht mehr so was erlebt. Die Straße hat einen Minimalanstieg so kommt das Wasser auch von vorn. Ich bin jetzt sehr froh so sparsam gekleidet zu sein. Nur meine Mizuno Runningshoes sind im Nu voll Wasser. Jeder Schritt wird schwerer. Gefühlt laufe ich mit jeweils 10 l im Schuh und ich frage mich warum jetzt auch noch das? Schon bald merke ich wie es an meinen blasenfreundlichen Zehen "arbeitet", die Tapes sind bei dieser Flut im Schuh umsonst.
ein marathon beginnt eigentlich erst bei km 30, geht mir durch den kopf und ich "bete" das es nicht ganz so schlimm wird. mein blick kreist ins leere, da ist fast wirklich kein einziger zuschauer mehr, ich verstehe das sogar, hätte aber gern genau hier pushing gebraucht. meine beste, gleich komm ich zu meiner besten, hallt es im kopf mit jedem schritt. du kannst nicht aufhören, sie steht da im regen und wartet. lauf weiter, denk an kathrine. und dann fällt mir plötzlich (m)ein weiteres sportidol - Renato - ein. was er gerade durch macht, wie stark er sich nach einem unverschuldeten Rennradunfall ins sportlerleben zurück kämpft. Wie eisern und willensstark er an sich glaubt und gerade jetzt immens für sein großes ziel zum 4. mal im oktober als ironman auf jawai zu finishen kämpft und trainiert. durch ihn entdeckte ich das laufen für mich. er wird auch stolz auf mich sein. "also Birki, dagegen sind deine Ars**schmerzen pippifax, laufe! laufe zu deiner besten. sie wartet auf dich mit deinem wettkampfgetränk, einem trockenen basecap, einem handtuch. sowie einer umarmung und einen motivationsknutscher. also lauf birki lauf. Denk an Renato, denk an Kathrine. LAUUUUUUUUUF!"

Die Sambaband bei km 31 spielt gerade nicht, sie ist unter ein Behelfzelt geflüchtet, es wird gerade immer trostloser. Trostloser geht fast nicht mehr. Ausgerechnet hier oben.
dann - endlich - mein lichtblick. meine beste steht dort mit regenschirm...es schüttet aus allen kanälen. sie grinst und macht fotos.
dazu gehört auch was: hier nicht wegzurennen und alle anzufeuern. großartig machst du das denke ich und laufe auf sie zu... verweile länger, die zeit ist mir inzwischen mehr als piepenegal,  trockne mir das gesicht ab, schnacke paar worte, hole mir eine feste umarmung,meine getränkeflasche und ein trockenes cap. das buff war inzwischen klitschnassund ich habe das gefühl mein Gehirn weicht auf
Aus meiner Getränkeflasche süchtig trinkend laufe ich weiter. Das Wasser von oben mit mir. Auch hier ganz im Norden bin ich schon gelaufen, 2013 bei meinem zweiten Staffelmarathon als ich die letzten 12 km dieser Marathonstrecke testen wollte. Und so kenne ich den Unterschied und bin tatsächlich bisschen frustriert. egal ob ich im Maienweg laufe oder auf der Alsterkrugchausee laufe, es geht irgendwie immer nur gerade aus und ich vermisse die sonst so zahlreich den Marathonis zujubelnden Zuschauer. 
Es ist ein einsamer lauf gegen den schweinehund der fett grinsend auf einer meiner schultern längst platz genommen hat - hier im regen. ich bin klatschnass bis auf die unterste hautschicht und heil-, heilfroh das ich nicht so viel vollgesogene "klamotten" mit mir rumschleppen muss wie so manch' andere/r um mich herum. in beiden schuhen schmerzen zehen, blasenalarm. so viel ist man klar. 
dieser meldet sich dann auch noch anderswo, kein Wunder, ich kippte die 400 ml so hastig runter... in der Hoffnung auf mehr power... also wirklich: heute bleibt mir wirklich nichts erspart, ich will keinen zweiten boxenstopp, ahne das der mich aus der bahn werfen wird, laufe weiter, habe angst vorm mann mit dem Hammer, will nicht stoppen, einfach weiterlaufen sagt mein kopf... ich hoffe es irgendwie zu schaffen... aber nein, geht nicht. 
ich muss (mich auch fast übergeben.... aber irgendwie habe ich es überlebt). vermutlich war das der boxenstopp der mich um die 5 Stunden Grenze brachte. aber das war mir im wahrsten Sinne des Wortes sh*t-egal. ich schaue nicht mal mehr auf meine garmin.

Am Eppendorfer Baum bin ich "irrtiert", dass hier kaum noch Stimmung ist. Jedenfalls keineswegs die Stimmung, die ich 2013 erlebte und jetzt so gebraucht hätte. Selbst die Musik war aus und der (Radio-) Moderator schon weg. Geflüchtet vom Unwetter?! Irgendwie voll traurig, auch für die, die noch nach mir kommen, ich war jetzt "erst" etwa 4:25h unterwegs.
Auf den letzten Kilometern an der Außenalster hatte ich keinen Blick mehr für das Drum herum. Ich lief, ging, lief mit Kathrine und Renato im Kopf. Diese verdammten Schmerzen terrorisieren mich. Nun auch noch Wasser aus meinen Augen, vor Schmerz und Wut das mein Körper über mich siegen will. Eine völlig neue Erfahrung für mich. Aber ich lasse es nicht zu, ich laufe dieses Ding jetzt "nach Hause". Für mich, für Renato, für Kathrine und meine Beste.
Alles was danach kam habe ich fast vergessen. Auch die Schmerzen - darüber bin ich froh. 
***
Nicht vergessen habe ich den jungen Mann im weiß/gelb gestreiften Bademantel der mich mit wirklich motivierenden tollen Worten nachhaltig beeindruckt hat (überhaupt diese Jungs -ich nenn sie mal "Bademantel Gäng"- waren alle klasse - ich hatte sie schon am Alster - Ostufer in Uhlenhorst gesehen). 
"Junge", wenn Du das liest: 
Ich danke dir vom ganzem Herzen das Du mich "dir völlig unbekannte Frau" kurz vorm km 39 in den Arm genommen und auf den rechten Weg zurückgeschickt hast, auf den Weg zu meinem zweiten Marathonfinish. 
weisst du noch? Ich kroch so dahin, mit schmerzverzerrtem blick  Du hast dich aus deiner gäng gelöst, kamst mit deinem megaphon auf mich zu und fragtest "was ist los?". "ich kann nicht mehr, ich bin im ar*ch". ich geh jetzt einfach zu bobby reich setz mich dahin und betrinke mich und beende das hier. du erwidertest: "doch, du kannst!" ich heule fast wieder los und fragte dich flehentlich (fast wie ein kleines kind) "meinste?"
Und dann grinst du mich an uns sagtest "na klar - ist doch auch nicht mehr weit" und tätscheltest meine schulter.  
Und tatsächlich: Meine Beine rannten weiter, ohne zu wissen das ich wirklich im Ar*ch war (ich erfuhr erst viel später das ich mir irgendwo und irgendwann beim Marathon einen Muskelfaserriss zugezogen hatte). Vorbei am letzten Getränkestützpunkt - die Sonne schien plötzlich. Gut das der Schmerz in Vergessenheit gerät und nur der Stolz bleibt. 
An diesem Spruch ist soviel wahres dran.

Als ich mir fast die Zähne ausgebissen hatte erblicke ich dieses Schild
und kurz danach noch einmal meine Beste. Ich laufe auf sie zu und umarme sie. Ich kann mich sogar freuen. Jetzt. Endlich. Alles ist von mir abgefallen. Es stellt sich so etwas wie  Glücksgefühl ein (aber es ist kein Vergleich zu dem in New York). Gleich werde ich über den roten Teppich rennen und diesen hört erarbeiteten Zieleinlauf genießen. Den Kampf gegen mich selbst habe ich gewonnen, Dank meiner beiden Vorbilder/Idole die mir nicht von der Seite wichen.
Ich lasse mich genießend vom Publikum feiern und flitze durch das Finishertor. Ich habe es geschafft. Ich habe mir und meiner Besten diese verdammte Medaille geholt. Ist sie nicht schön?
Ganz knapp über fünf Stunden aber das ist mir vollkommen wurscht.
Und wenn ich nicht ganz im Ar**h bin laufe ich bald weiter. 
Verlasst Euch drauf. 
Ob es nochmal ein Marathon sein muss muss weiß ich heute immer noch nicht. 
Es tat zu sehr weh.

Sorry wegen dem Kurzroman, aber ich wusste nicht was ich weglassen sollte. 
Deshalb dauerte der Blogeintrag auch so lange.


Eure Birki

Nachsatz: Eines weiß ich jetzt ganz sicher: Wir Läufer brauchen unsere Idole, und/oder Vorbilder, weil wir sie mögen und uns an ihnen orientieren können. Sie geben uns Sicherheit, wir lernen von ihnen. 
Deshalb gehört meine Medaille nicht mir allein sondern ein Stück weit auch Dir, Kathrine und Dir Renato. Und meiner Besten auch.

Es sind 15.279 Läufer an den Start gegangen, 14.743 Marathonis im Ziel, 96,5 % Finsiherquote,das ist Wahnsinn und muss auch an Hamburg liegen. 
Danke, Hamburg. Danke vor allen aber ALLEN EHRENAMTLICHEN! Hut ab, vor Eurer Leistung, bei diesem Wetter. 

Kommentare:

  1. Hab mich schon sehr auf deinen Hamburg Marathon Bericht gefreut und ich wurde nicht enttäuscht. Es war ein toller Tag, auch wenn ich leider nur zusehen durfte. Aber egal, es hat super viel Spaß gemacht an unseren verabredete Treffpunkten auf dich zu warten. Die Zuschauer in HH sind toll, ich kam mit so vielen Fremden ins Gespräch die genauso auf jemanden warteten und so aufgeregt und hibbelig waren wie ich. Und der Regen war gar nicht so schlimm, ich hatte ja nen Schirm den ich irgendwann aufmachen konnte (grins). Der schönste Moment war, als ich bei km42 stand und dich um die Kurve laufen sah. Da war sie, nur paar hundert Meter von mir und dem Ziel entfernt. Noch ne schnell ne Umarmung (wir haben beide glaub ich um die Wette gestrahlt) und dann husch husch auf den roten Teppich. Das war toll, ich war genauso happy wie du und hab mich so sehr gefreut. Und danke das du diese Medaille auch ein Stück für mich mit geholt hast. Ich hab ein tolles Vorbild (was laufen betrifft), nämlich dich. Genau das hat mir dieser Mara wieder bestätigt. Du hast dir die Medaille wirklich hart erkämpft. Hut ab und großen Respekt dafür. Bist und bleibst eben doch SuperBirki die einfach nicht aufgibt :o)

    PS: ich liebe das Bild kurz vorm Finish!!!

    Deine Cathi

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    1. Vorweg: Das Bild ist auch mein Lieblingsbild.
      Toller Shot ist dir da gelungen ♥ und ich staune noch immer wenn ich es betrachte, dass ich doch noch lachen konnte.

      Ein "toller" Tag war es jetzt (Solo gesehen dann) für mich vielleicht nicht ganz so wie für dich, aus oben beschriebenen Gründen und den Resultaten an denen ich ja noch immer zu "knabbern" habe - leider.

      Auch habe ich die Zuschauer ab dem Starkregen nicht so erlebt wie Du als selbige.

      Grundsätzlich aber ist der Hamburg Marathon wegen seiner geilomatigen Zuschaueratmosphäre einer der schönsten in Deutschland.
      Als Zaungast habe ich diesen mehrmals auch schon aus Deiner Sicht erlebt (und bei völlig anderem Wetter) und war geflasht und infiziert.

      Soooo sooooo , der Regen war also nicht schlimm?
      Hmmmm... na laufe Du mal Deinen Marathon in diesem Starkregen.
      Das wünsche ich Dir. *Grins*

      Ich habe meine Leser zum Glück ja mit den Bildern meiner abgefallen Zehennägel und Blasen an den Zehen (dank des vielen Wassers in den Schuhen) verschont. Du kennst sie.
      Also es hätte aus meiner Sicht gern "ein bisschen weniger Wasser von oben" sein dürfen.

      Ich bin stolz, nein, sehr stolz darauf DEIN VORBILD zu sein.
      ....
      und stolz darauf das mein erstes Running-Trainings"baby" (immerhin habe ich dich ja zum laufen verführt *fettesgrinsen*) inzwischen selbst Marathon und HM läuft und seit einem Jahr rauchfrei ist. Tolle Leistung, toller Runingbuddie.

      Beim nächsten Mal würde ich wohl besser aufgeben.
      Es ist nicht im Sinne meiner Gesundheit gewesen (aber ich wusste ja nicht was ich habe...)

      Danke das Du dabei warst. Love you.

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  2. Super gemacht!

    Vielen Dank, dass du mich nochmals mit nach Hamburg genommen hast. Ein wirklich grandioser Marathon!

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    1. Gern geschehen, Markus. Dein Ru war ja zum Glück ein ganz anderer als meiner.

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  3. Liebe Birki,
    im wahrsten Sinne, hart erarbeitet Dein Finish, aber gerade deswegen verdient! Bei einer solchen Situation nicht aufzugeben, das bringt Dich weiter und erhält Dir die Lust am Laufen. Solch ein Regen, das hätte mich auch geschafft, und dazu noch Deine Malaisen. Das macht Marathon aus: Sich nicht unterkriegen lassen, noch einen Schritt und noch einen und noch einen...
    Der nächste LAuf (ob 10, 21, oder 42 oder was auch immer) wird besser!
    Liebe Grüße
    Elke

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    1. Hej, liebe Elke, Danke danke danke.
      Ich weiss nicht ob ich wirklich stolz drauf bin was ich da "geleistet" habe, hinterher ist ma immer klüger.
      Ich laufe nach wie vor sehr gerne bin mir aber nicht sicher ob dieses Erlebnis mich nicht zu sehr geprägt hat und ich "Angst" vor dem nächsten Mara hätte.

      Hast Du denn jemals so einen blöden Marathon -FLOP erlebt?

      PS Mental war es schlimm von einem 1.000 Prozent Runninghigh MARA (NYC) diesen nun erlebt zu haben. Es hätte doch gern die Mitte sein können.
      (hätte , hätte, ja jaa ich weiss schon ^^)

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    2. Klar selber erlebt: Amsterdam: http://18071960.blogspot.de/2014/10/amsterdam-marathon-2014.html
      Aber es kann auch genau andersrum kommen: http://18071960.blogspot.de/2014/04/wien-marathon-alles-walzer.html
      Meine Erkenntnis daraus: Marathon ist nicht programmierbar. Es kommt letztendlich immer auf den Tag an. Man muss sich dem stellen. Wobei ich jetzt mal richtig große Verletzungen o.ä. gesundheitliche Einschränkungen außen vor lassen möchte, da sollte man dann wirklich daheim bleiben.

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  4. Hej Birki,
    ein sehr schöner Bericht, bei dem man das Leid und Elend aber auch die Erleichterung und Freude förmlich spüren kann … genau wie den unerbittlichen Regen, der uns an dem Tag das Leben/Laufen so schwer gemacht hat.

    Jetzt lass es deinem Popöchen erstmal eine Weile gutgehen und dann läufst du bestimmt noch den einen oder anderen Marathon. Da bin ich mir sicher …

    Dass das Ganze auch noch nasser geht, hat mir gerade der Marathon in Stockholm bewiesen. Dagegen war Hamburg ein echter Schönwetterlauf! ;-)

    Bis hoffentlich bald mal wieder … Andreas

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  5. Liebe Birki,
    ich finde es überhaupt nicht schlimm dass du hier einen Kurzroman geschrieben hast weil ich es sooo gerne lese wenn du übers Laufen schreibst (genauso gerne wie ich mir deine Instagram-Fotos ansehe und dabei jedes Mal ein schlechtes Gewissen bekomme weil es bei mir in diesem Jahr so gar nicht "läuft").
    Herzlichen Glückwunsch zur Jubiläums-Medaille und gute Besserung damit du bald wieder schmerzfrei und fröhlich durch Hamburg und die Welt laufen kannst :)

    Liebe Grüße
    Alke

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    1. Liebe Alke ich freu mich über Deinen Kommentar (kann Dich bei Instagram gerade nicht zuordnen - schade).
      Bitte kein schlechtes Gewissen bekommen,
      bei mir läuft ja auch nicht so gut.
      Danke für die lieben Glückwünsche, und ja ich hoffe hoffe hoffe.
      Herzlichst Birki die dir auch eine Lauf-Hooooochzeit wünscht.

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  6. Sehr lesenswert und sehr schön geschrieben. Ich freue mich nun auf Hamburg 😊

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    1. Du wirst meine Stadt im Marathonfieber lieben und ich steh auch an det Strecke .

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